Wenn man einfach abschreibt…

Soeben bin ich auf diesen Beitrag gestossen.
Die News an sich interessiert nur zweitrangig, was mich aber ein bisschen stutzig macht, ist die folgende Hochrechnung:

[…] eine Internetgeschwindigkeit von 1,37 Gigabit pro Sekunde erreicht […] Mit dieser Geschwindigkeit lässt sich beispielsweise ein HD-Film in weniger als 5 Sekunden herunterladen […]

Ich mag irren, aber hier geht doch etwas nicht ganz auf…

1,37 Gigabit = 0.17125 Gigabyte

Geht man nun von einem sehr komprimierten HD-Film aus mit einer Grösse von etwa 4 Gigabyte so hätte man, um diesen zu übertragen, alleine schon über 20 Sekunden…

4 / 0.17125 = 23.357664234 Sekunden

Besonders lustig daran ist, dass viele IT-Magazine diese News anscheinend von der selben Quelle haben; welche genau das ist, versuche ich noch raus zu bekommen.

Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass ein solch grober Schnitzer bei einer Fachzeitschrift nicht passieren darf…

Update 09:17
Wie es scheint, sitzt der Wurm direkt bei Cablecom. So taucht der Fehler schon in der offiziellen Pressemiteilung selbst auf.
Ich warte noch auf eine Stellungnahme von Cablecom!

Update 09:43
Klang heimlich hat man nun den offiziellen Pressetext angepasst. Zum Glück habe ich oben noch eine PDF-Version verlinkt 😉
Eine Stellungnahme habe ich bisher aber immer noch nicht erhalten von Cablecom…

Aber so langsam frage ich mich echt über das Knowhow dieser Firma.
So hat man nun für die Ladezeit eines HD-Filmes einfach die von mir gemeldeten 20 Sekunden eingesetzt.

Das ich aber geschrieben habe „mehr als 20 Sekunden“ hat man ignoriert.
So steht nun folgendes auf der Seite:

Mit dieser Geschwindigkeit lässt sich beispielsweise ein HD-Film in weniger als 20 Sekunden herunterladen oder mehr als 100 Lieblings-Songs in weniger als 1 Sekunde.

Stimmt also immer noch nicht!
Hätte der Zuständige beim Korrigieren nun noch seinen Kopf eingesetzt, so wären nämlich noch mehr Ungereimtheiten aufgetaucht!

100 Songs in 1 Sekunde
1 Song à 5 Megabyte

Das macht nach Adam Riese für alle Songs zusammen 500 Megabyte mit einem Durchsatz von 0.17125 Gigabyte / Sekunde eine Dauer von etwa 3 Sekunden…

Irgendwie armselig, wie wenig da mitgedacht wird! Hätte ich 10 Sekunden geschrieben, so würde in der Pressemitteilung nun sehr wahrscheinlich 10 Sekunden stehen…

Update 10:38

Soeben habe ich eine Nachricht von Cablecom erreicht! Vorweg möchte ich sagen, ein „Danke für den Hinweis“ hätte gereicht, aber die Erklärungsversuche dieses netten Mitarbeiters machen alles nur noch schlimmer!

Ich zitiere einfach mal und fange beim ersten Satz an.

Wir sind für die Berechnung des Downloads von einer File-Grösse von rund 850Mb ausgegangen

Also den HD-Film mit 850 Megabyte möchte ich sehen…

Wir sind damit wohl etwas tief gelegen

Ach nee?? 😀

Wir haben daher neue Erkundigungen eingeholt und dabei den Grossteil der Filme (720p) auf Plattformen bei Dateigrössen zwischen 1 und 4 GB eingestuft

Was auch immer das für Plattformen sein mögen, lassen wir mal aussenvor. Aber HD ist bei mir im Normalfall zwischen 4 – 8 Gigabyte gross…

Ich frage mich gerade, ob ich dem geschätzten Mitarbeiter das wirklich noch erklären soll…

Update 11:05

Mittlerweile hat auch Swiss IT Magazine und Swiss IT Reseller ein kritisches Auge auf ihren Beitrag geworfen und diesen korrigiert.
Dieser Dachverband für viele IT-Fachseiten ist immerhin professionell genug ein Update zu veröffentlichen und nicht die Beiträge heimlich anzupassen!

Update 16.2.2011 16:45

Heise.de kommt wie die alte Fasnacht nach und kopiert den selben Fehler natürlich auch noch:

Letztere soll sich speziell für IP-Videoservices eignen. So wurde im Test denn auch ein kompletter HD-Film in nur fünf Sekunden übertragen.

12 Kommentare bei „Wenn man einfach abschreibt…

  1. Du bist aber auch besonders fies 🙂 Aber gute Recherchen braucht das Land!

    Ich denke, das Volk will einfach ein paar Zahlen sehen und ob die ganz so richtig sind oder nicht, ist denen egal. Hauptsache das Ding läuft schnell; was es ja offenbar auch tut.

    Es ist das gleiche mit der „Bandbreite“…eigentlich wärs ja die Datenübertragungsrate…aber eh nu 🙂

    1. Ich denke nicht, dass Cablecom das mit Absicht gemacht hat. Aber wenn sie eine falsche Grösse als Ausgangspunkt für ihre Rechnung angeben, stehen sie besser da, als wenn sie zugeben müssen, die Umrechnung von Bit / Byte vergessen zu haben…

  2. Naja trotzdem kannste die Leute nicht einfach verarschen und denen Unterjubeln man können HD-Videos (die auch größer sein können als 4GB) in weniger als 5 Sekunden zerren.

    Das hat alles gar nicht Hand und Fuß. Wenn sich dann noch einer die Mühe macht (lob an Patrick) und den ganzen Kram korrigiert und denen bescheid gibt, die Rechnung nochmal zu überdenken UND die dass dann nochmal falsch machen: fail! 🙂

  3. Pingback: Tweets that mention Wenn man einfach abschreibt... | Bits, Bytes and my 5 cents -- Topsy.com
  4. Sehr gut Patrick!

    Und sie hätten sich noch mit unterschiedlichen Standards und einer Filmlänge von x Minuten rausreden können. So ein Schwachsinn.

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